Montag, 15. Februar 2010
Karneval
Wir sind Freitagabend in Sucre in den Bus gestiegen und kamen am Samstag um 5 Uhr morgens an. Wir haben unser Gepäck abgegeben, gefrühstückt und uns fertig gemacht zum Aufbruch. Wir hatten Sitzplätze auf einer der vielen Tribünen am Rande des Weges der Parade gekauft, wohin wir uns begaben. Schon morgens war alles voller Menschen und auch die Schnapsleichen als Begleiterscheinungen grosser Feste, waren noch da.
Wie es in Bolivien (und wohl auch weiten Teilen Südamerikas) üblich ist, war das ganze sehr feucht. Besonders wir Gringos sind beliebte Ziele für die Angriffe der anderen. Man hat Wasserpistolen und vor allem -bomben und einen speziellen Schaum aus Sprühdosen. Dieser Schaum ist ungiftig, reizt weder Haut noch Augen und löst sich nach ein paar Minuten von selbst quasi rückstandslos auf. Die Dose ist vergleichsweise teuer, sie kostet 10 Bolivianos (etwa einen Euro), wofür man auch etwa 60 bis 70 fertige Wasserbomben bekommt. Trotzdem hat fast jeder eine solche Dose und besprüht damit nach Lust und Laune die ihn Umgebenden. Wasserbomben werden auch reichlich verbraucht, ich habe noch nie einen grösseren Einsatz erlebt. Viele verwenden sie auf kurze Distanz, zerdrücken sie im Nacken oder werfen auf wenige Meter. Letzteres ist meist sehr schmerzhaft. Meistens werden Wasserbomben aber ganz konventionell geworfen. Auf den Tribünen gibt es richtige Schlachten, da sie zu beiden Seiten der Parade aufgebaut sind. Man bewirft die gegenüberliegende Seite und macht eigentlich so ziemlich alles und jeden nass. Leider geht es nicht immer allen nur ums nass machen, manchmal geht es auch darum den anderen zu treffen. Zu diesem Zwecke wird flach auf Kopfhöhe und sehr fest geworfen. Am Rücken sind diese Treffer schmerzhaft, am Kopf, besonders als Brillenträger, einfach nur unerträglich. Aber das gehört wohl zum Karneval dazu. Auch der Schaum kann unangenehm sein, wenn man ihn ins Gesicht bekommt. Wenn man von einem Moment zum anderen nichts mehr sieht oder hört, ist doch ziemlich erschreckend. Ausserdem wird man von all dem Spass sehr sehr nass, da hilft auch das Regencape, das viele tragen, wenig, was nur bei Sonne Spass macht, nicht allerdings wenn diese Weg ist. Zum Glück hatten wir am Wochenende sehr viel Sonne und nur abends wurde es kalt. Dafür aber reichlich.
Die Parade begann zwischen sieben und acht Uhr morgens und dauerte länger als bis zwei Uhr nachts. Die Tanzgruppen haben alle eine Band mit Posaunen, Trompeten, Tuben, Klarinetten, Pauken, Snare-Drumms, Becken und einem Tuba-ähnlichem Instrument. So eine durchschnittliche Band besteht aus 60 Leuten. Jede Gruppe hat nur ein Lied und die meisten Gruppen das gleiche, sodass man irgendwann mitsingen konnte. Zusätzlich gibt es dann die Tänzer. Diese Teilen sich in verschiedene Arten ein. Es gibt die Teufel, die sehr grosse, aufwendige, bunte, runde Kostüme haben und sehr nach Kinderschreck aussehen. Sie tanzen ohne zu springen oder ähnliches, sie bewegen sich eher bedrohlich. Dann gibt es noch die Männer in Kostümen, die an Reiter oder sowas erinnern. Sie tanzen sehr schwungvoll und springen viel durch die Gegend. Besonders bei unseren Mädels sehr beliebt. Aber auch für uns Kerle gabs was zu sehen. Die obligatorischen Tänzerinnen in kurzen Röcken. Die eine Hälfte in Oruro hatte Masken auf, die eigentlich nur ein grinsendes Gesicht zeigten. Den Sinn dieser Masken habe ich noch nicht durchschaut. Diese Tänzerinnen tanzen sehr ruhig, bewegen sich fast nicht. Ist aber auch mit diesen Kostümen eher schwierig. Kurze Röcke und hohe Schuhe sind nicht die optimale Sportkleidung. Dann gibt es noch Frauen, die in traditionellerer Kleidung auftreten, dafür aber mehr tanzen. Ausserdem gibt es von Gruppe zu Gruppe noch unterschiedliche Figuren. Bären, Yetis, Hermesfiguren etc. Schaut am besten bei Google nach Bildern des Karnevals, das ist am eindrücklichsten. Gute Suchbegriffe sind "carnaval oruro" oder "carnaval espuma", mit denen bekommt ihr einen Eindruck.
Wenn man an diesem Wochenende in Oruro übernachten will, dann muss man sehr früh buchen, will man sich nicht dumm und dämlich zahlen, sollte man nicht hinfahren. Aber wie immer sind Connections eine gute Alternative. Wir haben mittags bei unserer Spanischlehrerin hier angerufen und hatten ne Stunde später einen Schlafplatz für nur 35 Bolivianos, auch unter normalen Umständen ein akzeptabler Preis. Die Tochter unserer Spanischlehrerin tanzt in einer Tanzgruppe in Oruro. Diese Gruppe hatte eine Sporthalle zur Unterkunft gemietet, in der wir dann auch schlafen konnten. War dann halt eine Nacht ohne Decke auf dem Boden, aber mehr als ich erwartet hatte. Ausserdem kamen wir eh erst so gegen 5 uhr ins Bett und standen um 9 Uhr schon wieder an der Plaza in der Wasserschlacht.
Wir haben den ganzen Tag damit verbracht uns den Umzug anzuschauen und andere Freiwillige zu suchen. Zwischendurch haben wir uns mal in ein Café zurückgezogen, uns getrocknet und erholt. Abends haben wir uns dann mit unserer Spanischlehrerin plus Familie getroffen, sind erst essen gegangen und dann auf ein Fest ihrer Tanzgruppe. Es gab eine der bekanntesten Bands Boliviens. War recht lustig. Ich weiss nicht, ob die Band gecovert hat oder nicht, aber ich kannte so ziemlich jedes ihrer Lieder, ohne wirklich mal absichtlich bolivianische Musik gehört zu haben. Auf jeden Fall haben sie gute Stimmung gemacht und der Bassist war einfach nur gut. Toller Bass und guter spieler, leider vom Mischer absolut getötet. Schade.
Wir haben eine Auszeit von der Party genommen und uns nocheinmal an die Plaza begeben, wo wir ein paar andere Freiwillige getroffen haben. Mitten in der Nacht wurde dort immernoch getanzt, obwohl der Grossteil der Zuschauer nur noch da war, weil er zu besoffen war, sich zu bewegen. Trotzdem haben sich die Tänzer noch sehr viel Mühe gegeben und ordentlich getanzt. Als wir dann nachts/morgens schlafen gehen wollten, standen wir ersteinmal vor der Tür, weil der Nachtposten die Tür abgeschlossen hatte und die Klingel nicht hörte. Also mussten wir erst seinen Chef anrufen, der uns dann die Tür öffnete.
Am nächsten Morgen wurden wir dann von den gut gelaunten Tänzern geweckt, die die Reste des Rums vernichteten und dabei lautstark durch die Gegend kommunizierten. Den zweiten Tag verbrachten wir dann mitten im Geschehen, dort wo die Parade auf die Plaza kommt und ein Stück weiter in der Mitte der Plaza. Dort war die schlimmste Wasserschlacht. Etwa im Sekundentakt flogen die Wasserbomben über die Strasse und wenn mal zwischen den Tanzgruppen ein Lücke war, stürmten sofort ein paar Leute über die Strasse und schäumten unter schwerem Unterstützungs- und Abwehrfeuer die andere Seite ein. Sowas macht die ersten drei bis vier Stunden Spass, danach war ich eigentlich immer sehr genervt davon.
Nachdem wir zwei Tage gefeiert hatten ging dann unser Bus zurück nach Sucre. Als wir in die Sporthalle wollten um unser Gepäck zu holen. Da war leider die Tür abgeschlossen und der Mensch mit Schlüssel lag besoffen in der Ecke, bewegte sich nichtmehr und wusste nicht, wo der Schlüssel sein könnte. Da die Tänzer sich umziehen mussten (ihre Vorführung begann um elf Uhr nachts, es dadurch eilig hatten und auch schon das eine oder andere Bier getrunken hatten, war dann die Tür irgendwann irgendwie offen. Die Steinbrocken, die in Höhe des Schlosses in der Wand fehlten, fielen fast nicht auf.
Die Bilanz von ungefähr 15 Freiwilligen in Oruro: 4 gestohlene Handys, eine verschwundene Kamera, 15 Stunden Schlaf, 60 Liter Bier, 1500 Wasserbomben geworfen, 3000 Wasserbomben abbgekommen, 5 Dosen Schaum versprüht, 15 Dosen Schaum abbekommen und etwa 30 Hamburger gegessen.
Hostwechsel
Samstag, 6. Februar 2010
Viel erlebt -> wenig geschrieben
Gruss Paul
Viel erlebt -> wenig geschrieben
Montag, 7. Dezember 2009
Meldung nach langer Pause
Aufgrund der Wahl in Bolivien ist es mir erst heute möglich zurückzukehren. Gestern ging garnichts hier. Es gab kaum offene Läden, Restaurants schon garnicht. Die Jungs haben auf der Strasse Fussball gespielt, normalerweise absoluter Selbstmord. Das Wahlergebnis ist recht deutlich. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so klar wird, viele Bolivianer, mit denen ich gesprochen habe, haben nicht MAS gewählt. Wahrscheinlich verkehre ich aber in gehobenen Kreisen, die Evo´s Ideen eher abgeneigt sind.
Hier erlebt man einiges, in den vier Wochen, in denen ich jetzt auf dem Dorf war, habe ich vieles gesehen und erlebt.
Am Wochenende, bevor es wieder nach Alcala ging, haben wir noch einen spontanen Kurztrip nach Chaqui gemacht. Dort gibt es heisse Quellen. Unser Hostel hatte einen heissen Pool im Innenhof und eine wirklich tolle Saune. Naturbeheizt durch den vulkanischen Boden. Richtig toll. Chaqui liegt kurz vor Potosi, also wesentlich höher als Sucre. Der weg dorthin ist, wie eigentlich nicht üblich hier, asphaltiert und in sehr gutem Zustand. Wir sind mit dem Bus hin gefahren und haben eigentlich nur am Fenster geklebt, so viel gibt es zu sehen. Zurück sind wir dann getrampt, auch eine spannende Angelegenheit hier. Hat aber sehr gut geklappt.
Ein Wochenende später, also nach einer Woche arbeiten auf dem Dorf, habe ich mit vier anderen Freiwilligen die Manchachi-Tour gemacht. Das ist eine dreitägige Tour zu alten Inka-Ruinen. Am ersten Tag sind wir mit den Pferden in El Villar, eigentlich der Nachbarort Alcalas, aufgebrochen und den ganzen Tag geritten. Abends kamen wir dann am Haus unseres Führers an und haben dort übernachtet. Er wohnt toll mit wahnsinnigem Blick auf die Berge und ähnlich beeindruckendem Sonnenuntergang. Am nächsten Tag sind wir dann auf Schusters Rappen umgestiegen. Die Wanderung dauerte pro Richtung etwa drei bis vier Stunden und führte durch unglaublich schöne Natur. Hochebenen und Steilhänge. Berge und Täler. Bäche, Flüsse und Wälder. Alles war dabei. Zur Vormittagspause waren wir in einem Tal. Dort war es schon fast tropisch, es gab einen Fluss und Wald. Wir kamen um die Ecke und standen vor einem Wasserfall. Genau so, wie man es sich von den Tropenwäldern vorstellt. Natürlich sind wir dort baden gegangen, einfach herrlich. Mittags kamen wir dann an den Ruinen an. Diese selbst sind nicht so spannend, aber auf jeden Fall alleine des Weges wegen eines Besuches wert. Dort haben wir zwei Stunden an einem Bach gelegen und uns ausgeruht. Nach der Pause sind wir noch etwas weiter aufgestiegen und oben auf einem Bergkamm waren noch Reste eines alten Verteidigungswalles. Das war wirklich sehr beeindruckend. Man hatte einen weiten Blick über die Täler. Danach haben wir uns wieder auf den Weg zum Haus unseres Führers gemacht. Wir kamen abends an und sind direkt ins Bett gefallen. Der nächste Tag war wieder auf dem Pferderücken. Ich habe nicht zu viel Zeit dort verbracht, bin lieber gelaufen. War mir mit meinem Maultier nicht immer einig und der Hintern tat mir durchaus sehr weh. Ein Ausflug, der sich auf jeden Fall sehr gelohnt hat.
In Alcala war ich in der letzten Woche alleine. Das war nicht weiter schlimm, eher eine interessante Erfahrung, dass ich mich schon recht gut eingelebt habe. Ausserdem wurde einiges eingeweiht in der Woche, sodass ich ständig auf irgendwelchen Festen war. Zum Beispiel wurde unsere Plaza eingeweiht. Mit Feuerwerk und viel Chicha.
Für heute so viel. Ich werde mich um Weihnachten herum wieder melde, denke ich. Liebe Grüsse aus Bolivien
Freitag, 6. November 2009
Wochenende in Cajamarca
Letztes Wochenende waren wir in Cajamarca. Das ist etwa 40km von Sucre entfernt im Wald gelegen. Quasi ein Hostel mit Aufforstungsprojekt und Garten. Wahnsinnig schön. Es gibt einen Bach zum Baden und sogar eine Sauna, welche allerdings noch etwas renoviert werden sollte.
Die Reise dorthin war schon spannend: Wir haben uns Motorräder geliehen und sind gefahren. Ich habe noch nie vorher auf einer Maschine gesessen. Das hat den Verleiher allerdings nicht interessiert, er hat mich sogar später gefragt, ob es denn einigermassen klappe. Wir waren zu fünft auf drei Motorrädern unterwegs. Ich hatte keine Beifahrerin, bin aber auch recht froh darüber, das wäre für den Anfang doch zu viel gewesen.
Der Weg is genau richtig, wenn man noch nie auf einem Motorrad gesessen hat: Er fängt leicht in der Stadt an, geteerte Strasse. Dann geht es auf eine gute "Strasse", also einen Feldweg. War aber auch gut befahrbar. Am Anfang noch gerade und eben, später dann kurvig, mit Steigung und stellenweise sehr sandig. Am Ende, beim letzten Aufstieg, war mir dann klar, warum wir Geländemaschinen brauchten: Über Stock und Stein in steilen Serpentinen aufwärts. Anspruchsvoll für Fahrer und Maschine.
Leider ist nicht alles so glatt gelaufen, wie uns der Verleiher der Motos versprochen hatte. Wir waren kaum aus Sucre raus, da ist bei Davids Maschine der Schalthebel abgefallen. Er ist dann im dritten Gang zurück zu einer Werkstatt gefahren, wo sie das Motorrad repariert haben. Etwa auf der Hälfte der Strecke ist ihm dann wieder etwas passiert. Die Kette war rausgefallen und hatte das Schaltpedal mitgerissen und verkeilt, sodass das Hinterrad blockierte. Zum Glück für ihn und Nora kann er so gut fahren, dass es ihn nicht hingelegt hat. In dem Moment kam ein Jeep mit netten Menschen vorbei, die uns Werkzeug geliehen haben. Ein kurzes Stück später gab es aber wieder das gleiche Problem. Da hat David dann das Pedal abgebaut und ist im zweiten Gang weitergefahren. Das ging so lange gut, bis es steil wurde und der zweite Gang zu hoch war. Die Maschine überhitzte. Glücklicherweise kam just in diesem Moment unser Verleiher vorbei, den wir beim Ersten Defekt angerufen hatten. Er hat dann das Motorrad repariert. Ab da - also die letzten 20 Minuten - ging dann alles gut.
Als wir ankamen, wurden wir schon erwartet, da wir statt der geplanten 2 Stunden etwa 5 gebraucht hatten. Zusätzlich zu den vier Freiwilligen, die immer in Cajamarca sind, waren noch drei weitere Freiwillige aus Tarabuco dort, sodass wir insgesamt zu elft waren. Wir sind erstmal im Bach baden gegangen, da wir nach der Tour ordentlich geschwitzt waren und nach Benzin stanken. Das war sehr entspannend und tat gut. Ich freue mich bei meinem Einsatz in Cajamarca schon auf das Baden. Danach haben wir gerillt und gemeinsam am Lagerfeuer gesessen.
Am nächsten Morgen wurde die Belegschaft um halb sechs für eine Wanderung zu Hölen mit Malereien geweckt. Wir sind nicht mitgegangen, da wir nachmittags zurück fahren mussten und da fit sein wollten. Also haben wir den Tag gemütlich verbracht, haben uns das Gelände angeschaut und sind wieder baden gegangen. Sehr schön.
Nachmittags sind wir dann aufgebrochen. Zum Glück gab es schon im ersten Dorf Benzin, dann wir hatten nichtmehr genug für den Rückweg. Dieser verlief ohne Probleme und wir waren recht schnell. Als wir in Sucre ankamen hatten wir noch Zeit und sind dann etwas querfeldein gefahrern. Das war mir zu hart, ich bin nicht wirklich mit dem Gelände klar gekommen.
Dieser Wochenendtrip hat wirklich sehr viel Spass gemacht, war eigentlich genau richtig. Einige andere Freiwillige haben schon Interesse bekundet, auch mal fahren zu wollen. Kann ich sehr gut verstehen....
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Zurück in Sucre
Um mit dem Üblichen anzufangen: Das Wetter ist gut. Ab und zu, etwa einmal pro Woche regnet es, aber sonst scheint jeden Tag die Sonne, mir ist es zu warm, ich kann mich dann nur im Schatten aufhalten. Wir haben hier zum Glück einen ausgebildeten Koch - ein anderer Voluntarier - sodass wir immer echt gutes Essen bekommen. Allerdings schützt auch das nicht vor ab und zu auftretenden Verdauungsproblemen. Aber nicht schlimm.
Der Spanischunterricht macht Spass, unsere Lehrerin ist wirklich nett und wir sind eine gute Gruppe. Die Hausaufgaben bewegen sich in einem für mich akzeptablen Rahmen, sodass viel Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens bleibt. Hier gibt es fast jeden Abend entweder Party bei den Voluntariern oder wir gehen weg. Momentan findet hier in Sucre die FEXPO, eine Messe mit den Produkten aus der Gegend statt. Da gibt es viel zu probieren und jeden Abend einen anderen Programmpunkt. So haben wir die Miss-Aerosur-Wahl gesehen. Aerosur ist eine südamerikanische Fluggesellschaft und diese wählte aus den schönsten Stewardessen aller angeflogenen Länder ihre Miss. Durchaus interessante angelegenheit. An einem anderen Tag gab es bolivianische Rockmusik. Die erste Band war nicht spannend, ich würde es in Deutschland als Pop-Musik bezeichnen, die zweite Band hingegen war wirklich gut. Eine Mischung aus Raggea und Ska. Hat mir gut gefallen.
Ich werde noch eine weitere Woche hier in Sucre verleben, vielleicht melde ich mich in dieser ja nocheinmal.
Bis dahin liebe Grüsse
Pablito
Dienstag, 6. Oktober 2009
Kultur Boliviens
Fangen wir beim Busfahren an. Die Busse haben weder einen Fahrplan, noch Haltestellen. Wenn man mitfahren möchte winkt man einfach dem Bus, der hält dann an. Zum Aussteigen ruft man einfach Stop. Das System, so unglaublich es für den ordentlichen Deutschen klingt, funktioniert meines Erachtens besser als das deutsche.
Die Fiesta ist auch sehr anders als in Deutschland. Man trifft sich mit vielen Leuten verschiedenen Alters, wesentlich häufiger als in Deutschland. Dann gibt es Essen und Trinken. Getrunken werden verschiedene alkoholische Getränke:
Chicha ist das wichtigste Getränk auf solchen Fiestas. Es ist ein Maiswein, der in grossen Mengen getrunken wird.
Singani ist ein Schnaps, der zusammen mit Zitronenlimonade getrunken wird.
Canela ist ein Gemisch aus Zimtwasser und 95%igem Alkohol. Es wird heiss getrunken.
Leche de Tigre ist heisse Milch mit dem hochprozentigen Rohrschnaps.
Getrunken wird ganz anders als in Deutschland. Man lädt immer jemand anderen ein, wenn man trinkt. Man schaut denjenigen an, sagt "te invito" und trinkt. Der Eingeladene muss dann die gleiche Menge des gleichen Getränkes trinken. Auf diese Weise wird sehr schnell sehr viel Alkohol vernichtet.
Auf Fiestas wird eigentlich immer Musik von Hand gemacht, Gitarre und Gesang, eventuell noch eine Flöte. Hier kann eigentlich jeder singen und Gitarre spielen. Es werden eigentlich nur bolivianische Lieder gespielt, eben die örtliche Folklore. Es gibt auch sehr viele Lieder über den Heimatort. Musik aus der Konserve gibt es so gut wie nicht. Zu der Musik wird getanzt, Alt mit Jung und jeder wie er kann. Sehr ungewohnt für den Europäer.
Das Essen unterliegt auch gewissen Regeln. Es gibt mittags immer eine Suppe, danach Fleisch (Rind, Schwein oder Huhn) und Kartoffeln und Reis oder Kartoffeln und Nudeln oder Kartoffeln und eine spezielle Maissorte. Abends gibt es oft frittiertes Huhn mit Pommes Frittes und Reis. Die Mahlzeiten sind sehr reichhaltig, oft schafft man seine Portion nicht und es wird recht fettig gekocht. Der Bolivianer isst immer Yachua dazu, eine wirklich scharfe Sosse, die grosszügig aufgetan wird. Mir ist sie zu scharf, ein kleines Tröpfchen auf den Reis ist schon zu viel. Der Bolivianer empfindet da anders als ich. Das Frühstück ist recht einfach, es gibt Brot mit Butter und Marmelade. Zu trinken gibt es Tee oder Milchpulver mit Kakaopulver oder Instantkaffee. Echte Milch gibt es hier auf dem Dorf nicht.
So weit bis hier, es wird sicherlich noch einiges folgen.